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Prof. Dr. Christophe Boesch
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Max-Planck-Institute for Evolutionary Anthropology, Leipzig

Website Christophe Boesch

Wissenschaft zum Film

Wissenschaft

Seit Jahrzehnten beobachten die Leipziger Max-Planck-Wissenschaftler die Schimpansen im Taï-Nationalpark. Dabei stoßen sie immer wieder auf neue, faszinierende Verhaltensweisen. Allmählich können sie ein Bild vom Leben der bedrohten Menschenaffen zeichnen – etwa davon, wie sie sich im dichten Dschungel zurechtfinden, geschickt mit Werkzeug hantieren, gemeinsam jagen und mit Fleisch handeln oder Leoparden in die Flucht schlagen. [mehr]

Making-of

Und die Geschichte ist eben nicht erfunden

„Schimpansen“ ist kein Dokumentarfilm und liefert trotzdem faszinierende Fakten über unsere nächsten Verwandten

In der kommenden Woche läuft der Disneynature-Film „Schimpansen“ in den deutschen Kinos an. Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL sorgt nun für Irritationen. Deshalb möchten wir an dieser Stelle Folgendes klar stellen: Bei dem Film handelt es sich nicht um einen Dokumentarfilm. Trotzdem sind die Inhalte des Films nicht erfunden. Sie beruhen tatsächlich auf den Ergebnissen von über 30 Jahren Freilandforschung, in der diese überaus spannenden Aspekte aus dem Leben unserer nächsten Verwandten in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen wurden. Aus technischen Gründen konnte das Filmteam die Geschichte nicht immer in der chronologisch richtigen Reihenfolge aufnehmen. Dies ist bei Tierfilmen durchaus üblich.

Um eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, die einen Spielfilm trägt, musste diese aus den umfangreichen authentischen Filmaufnahmen zusammengestellt werden. Für die Forscher ist es zum Beispiel offensichtlich, „dass es unmöglich ist, eine Jagd mit 30 Affen in den Bäumen und vier bis sechs Jägern auf dem Boden, die sich alle in verschiedene Richtungen bewegen, an einem Tag mit nur einer Kamera zu drehen“, so Christophe Boesch, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Natürlich mussten die Tierfilmer verschiedene Jagden zusammenschneiden, um schließlich eine komplette Jagdsequenz für den Film zu haben. Gleiches gilt für die Territorialkämpfe zwischen benachbarten Schimpansengruppen. Diese finden im Taï-Regenwald regelmäßig statt. Aber es gab filmtechnische Gründe, weshalb für die im Film inszenierten „Rivalen“ eine Schimpansengruppe in Uganda ausgewählt wurde: Dort ist der Regenwald offener, das Filmteam konnte einige der im Taï-Regenwald beobachteten Interaktionen besser sehen und filmen.

Der Film zeigt die ersten sechs Lebensjahre von “Oskar” – Alastair Fothergill und Mark Linfield hatten aber nur zweieinhalb Jahre zum Filmen im Taï-Regenwald. Es sollte klar sein, dass die Rolle von Oskar nur durch den Zusammenschnitt von Episoden mehrerer junger Schimpansen erzählt werden konnte. Nichtsdestotrotz waren die Dreharbeiten im Regenwald für das Filmteam eine sowohl technische wie auch physische Herausforderung. Die Vorwürfe des SPIEGEL sollten die Leistung des Filmteams deshalb nicht schmälern.

Als hauptwissenschaftlicher Berater hat Christophe Boesch dafür Sorge getragen, dass die wissenschaftlichen Fakten im Film korrekt dargestellt werden. Keinen Einfluss genommen haben die Forscher hingegen auf die dramaturgische Ausgestaltung des Films. Angelegt als Familienfilm hat „Schimpansen“ natürlich ein Happy End. In der freien Natur ist das leider nicht immer so. Tatsächlich überleben nur wenige der Schimpansenwaisen – trotz Adoption.

Wer tiefer in die Wissenschaft hinter dem Film einsteigen möchte, kann sich hier informieren: www.schimpansen.mpg.de/forschung

 
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