Ansprechpartner

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Prof. Dr. Christophe Boesch

Telefon:+49 341 3550-201Fax:+49 341 3550-119

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

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Dr. Tobias Deschner

Telefon:+49 341 3550-207

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

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Dr. Roman Wittig

Leiter des Taï-Schimpansenprojekts
Telefon:+49 341 3550-204

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

Webseite Roman Wittig

Schimpansen in Westafrika

Das Max-Planck-Camp im Taï-Nationalpark

Weitere Informationen zum Taï-Schimpansenprojekt der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und zur Forschungsstation im Taï-Nationalpark (englisch) [mehr]

Wissenswertes über Schimpansen

  • Schimpansen leben meist im tropischen Regenwald, sie können sich aber an unterschiedliche Lebensräume anpassen und kommen – im Gegensatz zu den anderen großen Menschenaffen – auch in den trockeneren Baumsavannen vor.
  • Schimpansen ernähren sich hauptsächlich von Früchten, fressen aber auch Blätter, krautige Pflanzen und Fleisch. Sie angeln nach Termiten und Ameisen und machen Jagd auf kleinere Affen.
  • Schimpansen leben in größeren Gruppen, die nicht selten über 50 Tiere umfassen, sich aber zeitweise in kleinere Gruppen mit wechselnder Zusammensetzung aufspalten können. Weibchen verlassen in der Regel die Geburtsgruppe und schließen sich anderen Gruppen an, Männchen bleiben in ihrer Ursprungsgruppe.
  • Schimpansengruppen verteidigen ihre recht großen Streifgebiete vehement gegen männliche Eindringlinge. Fremde Weibchen werden dagegen in der Regel in der neuen Gruppe akzeptiert. Das Revierverhalten dient dem Schutz der Weibchen und Kinder sowie der Sicherung der Nahrungsressourcen. Eine in der Regel aus mehreren erwachsenen Männchen bestehende Gruppe macht regelmäßig „Patrouillengänge“ und hält nach Feinden Ausschau. Sie bewegen sich dabei so leise wie möglich.

Buchtipp

Eine Begegnung mit Menschenaffen in der Wildnis bleibt jedem im Gedächtnis – vor allem den Forschern, die viele Jahre im Regenwald verbringen. Was sie bei ihrer Arbeit erlebt und in Tagebüchern festgehalten haben, schildern hier zehn Wissenschaftler.

Und die ganze Affenbande brüllt

Eine Begegnung mit Menschenaffen in der Wildnis bleibt jedem im Gedächtnis – vor allem den Forschern, die viele Jahre im Regenwald verbringen. Was sie bei ihrer Arbeit erlebt und in Tagebüchern festgehalten haben, schildern hier zehn Wissenschaftler. [mehr]

Forschung im Dschungel

Im Dschungelcamp – Feldforschung an der Elfenbeinküste

Westafrika, Republik Côte d’Ivoire, Taï-Nationalpark, unweit der Grenze zu Liberia: Zwölf Autostunden von der Hafenstadt Abidjan, drei Stunden unbefestigte Piste entfernt vom nächsten Dorf, liegt mitten im tropischen Regenwald das Camp der Max-Planck-Forscher. Seit mehr als 30 Jahren erforschen Wissenschaftler um den Schweizer Primatenforscher Christophe Boesch hier die Schimpansen, die in diesem Urwald zu Hause sind. Seit 1997 gehört das Camp zum Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Die Straße – sofern man die schlammige Piste, die in der Regenzeit auch mit einem modernen Allradfahrzeug oft nur mit Schwierigkeiten zu befahren ist, so bezeichnen möchte – führt bis zum Camp Nord. Von dort geht es zu Fuß zu den drei eigentlichen Forschungscamps. Allerdings erst nach einem längeren Zwischenstopp: Jeder, der ins Camp kommt – egal ob erstmalig oder nach einem Besuch der „Außenwelt” – muss zunächst fünf Tage im Nördlichen Camp zubringen, bevor er oder sie das Forschungsgebiet betreten darf. Diese Quarantäne ist eine unbedingt notwendige Vorsichtsmaßnahme, denn vom Menschen eingeschleppte Krankheiten sind eine der größten Bedrohungen für die Menschenaffen.

Die Max-Planck-Wissenschaftler erforschen im Taï-Nationalpark drei habituierte, das heißt an die Anwesenheit von Menschen gewöhnte, einander benachbart lebende Schimpansengruppen mit zusammen ungefähr 100 Tieren. Ein Ziel der Forscher ist es, das Leben der Taï-Schimpansen in ihrem natürlichen Lebensraum im Detail kennen zu lernen und zu dokumentieren. „Schimpansen ähneln uns in vielerlei Hinsicht”, sagt Christophe Boesch, Direktor der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Gründer und langjähriger Leiter des Taï-Schimpansenprojekts. „Indem wir diese Ähnlichkeiten zu unseren nächsten Verwandten in ihrem natürlichen Lebensraum in Afrika untersuchen, erfahren wir mehr über die evolutionären Wurzeln von Kultur. Und die ist für uns Menschen ja eines der Schlüsselelemente unserer Identität.“

Letztendlich geht es also um die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Sind wir einzigartig in unserer Fähigkeit, Traditionen und Kulturen zu entwickeln und an unsere Nachkommen weiterzugeben? Oder gibt es auch bei Menschenaffen soziale Traditionen, also Verhaltensunterschiede, die weder genetisch bedingt noch durch ökologische Bedingungen erklärbar sind und die innerhalb einer Gruppe von Generation zu Generation weitergegeben werden? Um dies zu erforschen, bietet die Forschungsstation des Max-Planck-Instituts im Taï-Nationalpark optimale Bedingungen. Denn hier können die Wissenschaftler Schimpansengruppen beobachten, die nah benachbart unter ähnlichen ökologischen Bedingungen leben und sich auch genetisch kaum voneinander unterscheiden.

Ebenso wichtig ist es für die Forscher aber auch, Basisinformationen zur Gesamtzahl der Affen, Gruppengrößen und Gruppenzusammensetzung im Nationalpark zu erfassen. Denn bisher weiß niemand genau, wie viele der großen Menschenaffen es im Freiland überhaupt noch gibt – weder für Schimpansen, Bonobos und Gorillas in Afrika noch für die Orang-Utans in Asien sind genaue Populationsgrößen bekannt. Doch solche grundlegenden Informationen werden dringend benötigt, um die Auswirkungen natürlicher Veränderungen oder auch den Erfolg von Naturschutzmaßnahmen wissenschaftlich abgesichert zu bewerten.

Das Nord-Camp, das heute als Hygiene-Barriere zwischen den Schimpansen und der Außenwelt fungiert, ist über eine unbefestigte, oft schlammige Straße zu erreichen. Von hier aus geht es zu Fuß zu den drei Forschungscamps. Bild vergrößern
Das Nord-Camp, das heute als Hygiene-Barriere zwischen den Schimpansen und der Außenwelt fungiert, ist über eine unbefestigte, oft schlammige Straße zu erreichen. Von hier aus geht es zu Fuß zu den drei Forschungscamps. [weniger]

Der Regenwald des Taï-Nationalparks ist den Leipziger Wissenschaftlern gut vertraut. Manche, wie Christophe Boesch oder Tobias Deschner, einer seiner engsten Mitarbeiter, kommen seit Jahrzehnten immer wieder hierher, andere – Studenten oder Doktoranden – zumindest für mehrere Monate. Derzeit leben und arbeiten im Camp meist um die 20 Forscherinnen und Forscher: Wissenschaftler, Doktoranden, Studenten und einheimische Feldforschungsassistenten. Dazu gehören auch einige Personen, die sich um die Versorgung der Forscher kümmern, zum Beispiel ein Fahrer, der einmal wöchentlich Lebensmittel bringt und auch sonst alle notwendigen Fahrten ins nächste Dorf oder in die Hafenstadt Abidjan erledigt.

Auch ein Tierarzt gehört zum ständig anwesenden Team im Max-Planck-Camp. Er verfügt im Camp Nord unter anderem über ein einfaches Molekularbiologie-Labor einschließlich einer PCR-Maschine zur Vervielfältigung kleinster DNA-Spuren. So kann er regelmäßig den Gesundheitszustand der Tiere überprüfen, dokumentieren und bei einer Erkrankung eines Tieres versuchen, schnell herauszufinden, um was es sich handelt. Und er untersucht routinemäßig jeden Ankömmling im Camp Nord auf einige für die Schimpansen besonders gefährliche Erreger von Atemwegserkrankungen. Denn auch ein gesund wirkender Mensch kann diese beherbergen und so unter den Affen eine lebensbedrohliche Epidemie auslösen. In der Regel werden kranke Schimpansen vom Tierarzt allerdings nicht behandelt, denn die Menschenaffen sollen trotz der Anwesenheit der Forscher Wildtiere bleiben, auf deren Leben die Wissenschaftler so wenig Einfluss wie möglich nehmen. Ausnahmen sind Krankheiten, die von Menschen eingeschleppt wurden.

 
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