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Prof. Dr. Christophe Boesch

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Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

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Dr. Hjalmar Kühl

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Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Die A.P.E.S. - Datenbank

Originalpublikationen

1
Jessica Junker et al.
Diversity and Distributions. Online-Veröffentlichung am 23. September 2012, DOI: 10.1111/ddi.12005
2
Geneviève Campbell, Hjalmar Kühl, Paul Kouamé N’Goran und Christophe Boesch
Current Biology, 14. Oktober 2008

Weiterführende Links

Immer weniger Platz für Afrikas Menschenaffen

Eine erste den gesamten afrikanischen Kontinent übergreifende Studie belegt, dass die Lebensräume dieser Tiere in den letzten Jahren dramatisch geschrumpft sind. [mehr]

Abholzung gefährdet Schimpansen

Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie haben erstmals seit 17 Jahren an der westafrikanischen Elfenbeinküste Schimpansen gezählt und festgestellt, dass die Population einen katastrophalen Rückgang erlitten hat. Gründe dafür sind vor allem Waldrodungen und Wilderei. [mehr]

Die A.P.E.S. – Datenbank

Eine umfassende Datensammlung: Neben vielen Karten und Hintergrundmaterial können hier konkrete Daten zu den Beständen von Menschenaffen abgerufen werden. [mehr]

Manifesto for Apes and Nature

Unterschriftenaktion für den Erhalt der Menschenaffen und ihrer Lebensräume [mehr]

Artenschutz

Schimpansen in Gefahr

Wie viele Schimpansen noch in den tropischen Wäldern und Savannen Afrikas leben, ließ sich bislang nur grob schätzen. Feldbiologen haben deshalb versucht mit exakten Methoden, die Populationsgrößen und ihre Entwicklung zu ermitteln. Ziel ist es dabei, die Tiere wirksam zu schützen.

Die Lebensräume der großen Menschenaffen, zu denen Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans zählen, sind in den letzten 20 Jahren dramatisch geschrumpft. Das belegt erstmals eine Studie, die von der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) in Auftrag gegeben und unter Führung von Leipziger Forschern vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie durchgeführt wurde. Mehr als 15.000 Nachweise über Vorkommen von afrikanischen Menschenaffen wurden zusammengetragen und geben einen Überblick über noch verbleibende  Habitate. Diese Vorkommens-Nachweise wurden in einer Datenbank archiviert (A.P.E.S) und dienen auch als wichtiges Instrument des Artenschutzes.

Von den afrikanischen Arten sind demnach die Schimpansen noch am weitesten verbreitet. In West-, Zentral- und Ostafrika leben etwa noch 150.000 Individuen. Anders als Bonobo und Gorilla können sie sich an unterschiedliche Lebensräume anpassen. Die meisten Schimpansen sind im tropischen Regenwald zu Hause; sie kommen aber auch in den trockeneren Baumsavannen vor. Neben Waldrodungen durch Bergbau und industrielle Landwirtschaft  gefährden vor allem die illegale Jagd und Krankheiten diese faszinierende Affenart.

Insgesamt gingen ihnen in den vergangenen 20 Jahren mehr als 200.000 Quadratkilometer an Lebensraum verloren, eine Fläche von etwa 3800 Fußballfeldern pro Tag.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Waldrodungen

  • Die Wälder werden durch Brandrodungen vernichtet:
  • Hauptakteur ist hier die Holzindustrie: Da die begehrten Tropenbäume nicht in Gruppen, sondern meist verstreut im Wald wachsen, schlagen Firmen ständig neue Schneisen in den Wald und bauen Straßen, um die Tropenhölzer abzutransportieren.
  • Agroindustrie: Um die schnell wachsende Nachfrage der Industrienationen und Schwellenländer nach Produkten aus tropischen Regionen wie Palmöl, Kautschuk, Zucker und Biotreibstoffen zu befriedigen, werden Plantagen - Tausende von Hektar groß – angelegt. Dies beschleunigt die Zerstörung der Lebensräume von Menschenaffen weiter.
  • Auch der Jagd nach mineralischen Rohstoffen fallen immer mehr Wälder zum Opfer: Dort wo es bedeutende Vorkommen gibt, werden im großen Maßstab Erze wie Aluminium, Gold, Kupfer oder Koltan abgebaut sowie Öl gefördert.
  • Der Straßenbau – obwohl flächenmäßig eher unbedeutend – öffnet den Wald für Siedler. Diese brennen weiterhin Flächen ab, bauen Getreide und andere Feldfrüchte auf den gerodeten Flächen an.
  • Die Wilderei nimmt  in diesen Gebieten dramatisch zu.

Die Regionen, die am stärksten betroffen sind, sind die Regenwaldgebiete des Kongobeckens und der westafrikanische Küstenwald in Liberia. In anderen Gebieten, die keinen so starken Rückgang vermelden, wurde ein großer Teil der Lebensräume bereits vor den 1990er-Jahren zerstört. Vor allem die abgelegenen, zentralafrikanischen Waldgebiete, die heute noch als Hochburg der Menschenaffen gelten, sind mittlerweile von vielen Holz- und Bergwerksstraßen durchzogen und wurden in Folge dessen von Menschen besiedelt.

Wilderei

Wenig Rückzugsmöglichkeiten: Die Schutzzonen für Schimpansen in Ost- und Zentralafrika (dunkelgrün) und solche Gebiete, die nach Empfehlungen von Wissenschaftlern -  in besondere Aktionspläne aufgenommen werden sollten (grau). Bild vergrößern
Wenig Rückzugsmöglichkeiten: Die Schutzzonen für Schimpansen in Ost- und Zentralafrika (dunkelgrün) und solche Gebiete, die nach Empfehlungen von Wissenschaftlern -  in besondere Aktionspläne aufgenommen werden sollten (grau). [weniger]

Viele Tiere, die im Wald leben, werden wegen ihres Fleisches gejagt, obwohl die Jagd auf geschützte Arten, wie Menschenaffen überall illegal ist. „Doch selbst Verbote können das Töten bislang nicht stoppen“, sagt Tobias Deschner, Primatologe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Mehrere 100 Millionen Menschen leben in den Regionen Afrikas, in denen auch Menschaffen verbreitet sind. Darüber hinaus wächst die Stadtbevölkerung in Zentral-, Ost- und Westafrika jährlich um zwei bis vier Prozent an. Mit steigenden Einkommen der Stadtbevölkerung wächst auch die Nachfrage nach Wildfleisch, das auf vielen Märkten offen angeboten wird. Es dient der ärmeren Landbevölkerung als lukrative Einnahmequelle.

Auf der Jagd nach Antilopen oder anderem Wild zögern Wilderer nicht, auch Schimpansen und andere Menschenaffen zu erschießen. Die Buschwildjäger dezimieren dadurch nicht nur drastisch die Schimpansen-Populationen, sondern erhöhen auch das Risiko der Übertragung von Krankheiten vom Schimpansen auf den Menschen. Jüngste Forschungen haben ergeben, dass der HI-Virus, der beim Menschen Aids hervorruft, wahrscheinlich vom Schimpansen stammt. Wissenschaftler sind heute der Auffassung, dass diese Krankheit über den Handel mit Wildfleisch auf den Menschen übergegangen sein könnte.

Infektionskrankheiten

Auch das Ebola-Fieber, das vermutlich durch Flughunde auf Mensch und Affen übertragen wird, forderte in den letzten 10 bis 15 Jahren in den Wäldern Zentralafrikas einen hohen Tribut. Viele Menschen starben. Aber auch die Schimpansen- und  Gorillapopulationen wurden drastisch dezimiert. In einem Gebiet am Rande des Odzala Nationalparks in der Republik Kongo starben binnen weniger Monate 90 Prozent der Gorillas. (Martha Robbins/Christophe Boesch: „Menschenaffen“). Da es keinen Impfstoff gegen Ebola gibt, bleibt die Gefahr dieser tückischen Krankheit für Mensch und Tier weiter bestehen.

Durch die Jagd auf Menschenaffen, steigt auch das Risiko, dass menschliche Krankheiten eingeschleppt werden. Gegen Atemwegs- und Darmerkrankungen hat der Mensch Abwehrstoffe entwickelt, die Menschenaffen aber nicht. Vor allem Atemwegserkrankungen, die sich beim Menschen als gewöhnliche Erkältungen äußern, nehmen bei Schimpansen oft einen tödlichen Verlauf. Die Gefahr der Keimübertragung lässt sich minimieren, indem Wissenschaftler und Touristen, die in die Nähe der Tiere kommen, Vorsichtsmaßnahmen beherzigen.

Seit mehreren Jahren  sterben im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste, viele Schimpansen an Milzbrand. Wissenschaftler versuchen die Tiere so gut es geht mit Hilfe von Blasrohren zu impfen und konnten die Infektion so bislang in Schach halten.

 
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